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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mo 05 Dez, 2011 09:42 
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Bei Eurer Diskussion bekommt man ja Kopfschmerzen. Deshalb nur soviel: Kunst ist vor allem frei. Ist sie das nicht mehr, bleibt sie Werkzeug von Interessenvertretungen und sollte wenigstens den Begriff Kunst nicht mehr gebrauchen.

Und wenn sich seit 20 Jahren keine Künstler bei/für Euch politisch engagieren, Silberbrigg, wie Du es ja eingangs bemängelst, muss das nicht unbedingt an den Künstlern liegen. Denn nach dem, was Du hier zum Thema Kunst vorbringst, bleibt es kaum zu verdenken, wenn man sich seine Freiheit als Künstler bewahrt und besser im Elfenbeinturm verbleibt. Dort kann man dann wenigstens das machen, was keiner von einem will, erwartet und abverlangt.

_________________
(@ Tobias
Wenn ich diese Fragen nicht öffentlich im Forum sondern nur als PN stellen darf, lösche bitte meinen Foreneintrag.)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mo 05 Dez, 2011 11:14 
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Hallo Heiner,

mit den von dir genannten linken Klassikern habe ich mich schon vor Jahrzehnten intensiv auseinandergesetzt, und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie für meine Vorstellungen nicht in Betracht kommen. Ich halte es da eher mit den Ideen von Bakunin, Kropotkin und Proudhon. Ihnen sind die Vorstellungen eines staatsbezogenen Kommunismus fremd.

Witzig ist, dass du die Hilfe für die damalige Revolution in Nicaragua ansprichst. Über sie ist viel geschrieben worden. Ich bin als Maschinenbauingenieur selbst dort gewesen und habe auch beim freiwilligen Aufbau der Infrastruktur mitgearbeitet. Dort bin ich übrigens auch auf den Maler und Architekten Rafael Gámez gestoßen.
Seine Webseite kann man hier finden: http://www.nicarte.de/

Hallo Mathias

Da es nach Adorno kein richtiges leben im falschen gibt, kann auch Kunst zur gegenwärtigen Zeit nicht frei sein, obwohl sie es selbstverständlich sollte. Und es geht nicht um Interessenvertretungen, sondern um Interesse. Bei Linken könnte es z.B. das Verlangen sein, sich auch im Interesse der Kunst von den allgegenwärtigen kapitalistischen Einflüssen freizumachen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mo 05 Dez, 2011 23:21 
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Hier finden ja interessante Diskussionen statt! Wenn ich bald wieder etwas mehr Zeit habe, werde ich mich vielleicht an ihr beteiligen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mi 07 Dez, 2011 09:33 
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Na ja, Du bist nicht bei den Linken, Du bist bei den Anarchisten.
Das ist weit gefehlt, auch wenn die Anarcho-Szene damals wie heute
sich gerne den Linken anschliesst - und die Linken glauben machen,
sie gehören dazu.

Bakunin war wenigstens wirklich Anarchist und kämpfte gegen seinen eigenen
Adelsstand. Soviel ich weiss stammte er aus einer angesehenen Familie
und radikalisierte sich und war auch im Gulag des damaligen Kaisers in Sibirien.

Kropotkin war der Theoretiker der Anarchisten, die eben oft den Linken zugerchnet werden.
Im Gegensatz zu Bakunin war das Hauptaugenmerk von Kropotkin die geografischen Studien,
dank derer die Fansz Josephinsel und irgendwo in Sibirien einige Gebiete genau vermessen
wurden. Er schrieb das Buch Die Eroberung des Brotes, das als sein "mächtiges Vermächtnis"
in die gute Zukunft gepriesen wird. Das ich aber nicht gelesen habe.
Für mich ist Kropotkin wie einige deutsche und schweizerisch Theoretiker nach 1968,
als sie die Familie als die Ursache für den bürgerlichen Stillstand angesehen haben -
und alle zu Hause mit Eheweib, 2 Kindern Fernseher und Auto die Idylle gefeiert haben.

Ganz lustig finde ich in diesem Zusammenhang Pierre Joseph Proudhon. Er hat sich selbst
als Urgestein des Anarchismus gesehen. Mit seinem Satz "Eigentum ist Diebstahl" den er
anarchisch sieht, jedoch Urreligionen aus dem Orient zugeschrieben wird. Alle Klöster basieren
auf diesem Konzept. Und nehmen den Besitz der Mönche in eigenen Besitz. Das war dann
Überlebenssicherung und legal.
Viel entscheidender sind die Sätze von Proudhon, in denen er sich als Antisemit zu erkennen
gibt, die, nach dem was ich bisher gehört habe, eine Diskrepanz zu den anarchischen Theorien
erkennen lasse, die erstaune.

Du hast hier aus meiner Sicht 3 Theoretiker des Anarchismus gelistet. Die haben aber mit den
modernen Strukturen weniger zu tun, wie dies mit den Schriften von Engels und Marx,
die vor allem aus der britischen Industriegeschichte entstanden sind - und mit den damals riesigen
Unternehmungen eine ein bisschen vergleichbare Welt von heute abzeichnen.
"Deine" drei Schriftgelehrten erinnern mich aus heutiger Sicht eher an kleine
Kinder, die die Hand vor das Gesicht halten: Du siehst mich nicht mehr!
Eine Revolution, die nur aus dem aufbrechen des Strukturen besteht ist in niemanden Interesse
und kann nur von Leuten im zumindest üblichen Wohlstand vertreten werden. Mit der Hoffnung:
Für mich reicht es noch.
Oder:
Sind die Strukturen einmal nicht mehr, baue ich eine neue Macht auf, die die Zukunft darstellt.
Und diese Macht ist dann eben weder links noch rechts, sondern "ICH bezogen"
Also wieder bürgerlich. Oder böse gesagt: Diktatorisch!

Die Kunst den Linken zuzuordnen. Sehen einige so. Und hier in Westeuropa kann dies sogar
richtig sein, nur aktuell. Manchmal ist ein Künstler, ab und an sogar oft, ein Beobachter, ein
Überzeichner, ein Aufzeichner ein Spiegelvorhalter. Ab und an auch ein Schöngeist.
Und er muss sich vorsehen, gegen Anarchismus zu kämpfen, wenn es genug Leute geben würde,
die den Anarchismus als mögliche Lösung gegen die heutige Situation sehen würden.
Was macht er dann? Ist er in diesen Strukturen vernetzt, zu vernetzt schafft er die Kritik nicht
mehr und ist als Künstler obsolet. Ein Künstler ist vor allem sich selbst - und nicht im Auftrag
einer ideologischen Idee oder politischen Kraft.

Aus meiner Sicht ist der Anarchimus nicht einmal im Rahmen von einer Grossfamilie zu leben.
Und demzufolge als reine Theorie einiger Schöngeister in den Türmen der russischen
Schlösser oder sonst wo zu qualifizieren.

Heiner

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Kunst ist nur, wenn man versucht.
Wer Kunst kann, ist eher Kunstverkäufer wie
Künstler, was mit Sicherheit mehr Geld einbringt


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Do 08 Dez, 2011 21:18 
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Viel entscheidender sind die Sätze von Proudhon, in denen er sich als Antisemit zu erkennen
gibt, die, nach dem was ich bisher gehört habe, eine Diskrepanz zu den anarchischen Theorien
erkennen lasse, die erstaune.


Seine antisemitischen und auch frauenfeindlichen Ergüsse erstaunen nicht nur, sondern sind absolut inakzeptabel. Leider waren solche Ansichten bei vielen großen Denkern, von Kant bis Luther, an der Tagesordnung.


Du hast hier aus meiner Sicht 3 Theoretiker des Anarchismus gelistet. Die haben aber mit den
modernen Strukturen weniger zu tun, wie dies mit den Schriften von Engels und Marx,
die vor allem aus der britischen Industriegeschichte entstanden sind - und mit den damals riesigen Unternehmungen eine ein bisschen vergleichbare Welt von heute abzeichnen.
"Deine" drei Schriftgelehrten erinnern mich aus heutiger Sicht eher an kleine
Kinder, die die Hand vor das Gesicht halten: Du siehst mich nicht mehr!
Eine Revolution, die nur aus dem aufbrechen des Strukturen besteht ist in niemanden Interesse
und kann nur von Leuten im zumindest üblichen Wohlstand vertreten werden. Mit der Hoffnung: Für mich reicht es noch.


Auch diese „ 3 Theoretiker des Anarchismus“ bildeten mit die Grundlage für eine Erhebung des 20 Jahrhundert. Gerade im Aufbrechen von feudalistischen Strukturen, ist es im Spanien der dreißiger Jahre Millionen von anarchistisch orientierten Landarbeitern und Proletariern gelungen, großartigen gesellschaftlichen Fortschritt zu erlangen. Ein Fortschritt, der allerdings letztendlich von den Machtinteressen der faschistischen und stalinistischen Kräfte zunichte gemacht wurde.


Sind die Strukturen einmal nicht mehr, baue ich eine neue Macht auf, die die Zukunft darstellt.
Und diese Macht ist dann eben weder links noch rechts, sondern "ICH bezogen"
Also wieder bürgerlich. Oder böse gesagt: Diktatorisch!


Da merkt man dann doch, dass deine Kenntnisse vom Anarchismus eher rudimentärer Natur sind, obwohl dir doch eigentlich wenigsten die Bedeutung des Begriffs Anarchismus bekannt sein sollte: „Herrschaftslosigkeit“
Sie ist die Voraussetzung dafür, dass jede Art von repressiver Macht keine Rolle mehr spielt. Was evtl mit der von dir genannten ICH Bezogenheit Sinn machen würde, ist der sogenannte Individualanarchismus, der aber heutzutage so gut wie keine Rolle mehr spielt, und auch eher eine Randerscheinung unter den Anarchisten war.


Die Kunst den Linken zuzuordnen. Sehen einige so. Und hier in Westeuropa kann dies sogar
richtig sein, nur aktuell. Manchmal ist ein Künstler, ab und an sogar oft, ein Beobachter, ein
Überzeichner, ein Aufzeichner ein Spiegelvorhalter. Ab und an auch ein Schöngeist.
Und er muss sich vorsehen, gegen Anarchismus zu kämpfen, wenn es genug Leute geben würde, die den Anarchismus als mögliche Lösung gegen die heutige Situation sehen würden.
Was macht er dann? Ist er in diesen Strukturen vernetzt, zu vernetzt schafft er die Kritik nicht
mehr und ist als Künstler obsolet. Ein Künstler ist vor allem sich selbst - und nicht im Auftrag
einer ideologischen Idee oder politischen Kraft.


Dass ein Künstler in erster Linie sich selbst verpflichtet ist sehe ich auch so, und kollidiert auch in keiner Weise mit der anarchistischen Idee. Im Gegenteil. Doch Kreativität hat eben auch viel mit Fortschritt zu tun. Und das ist es doch, wobei es in der gesellschaftlichen Entwicklung ankommt. Was du mit dem Satz „Ist er in diesen Strukturen vernetzt, zu vernetzt schafft er die Kritik nicht mehr und ist als Künstler obsolet.“, habe ich bzgl. der Kritik nicht verstanden. Bitte um Aufklärung.



Aus meiner Sicht ist der Anarchimus nicht einmal im Rahmen von einer Grossfamilie zu leben.
Und demzufolge als reine Theorie einiger Schöngeister in den Türmen der russischen
Schlösser oder sonst wo zu qualifizieren.


Auf meinen vielen Reisen habe ich etliche anarchistische Großkommunen, v. a. an der amerikanischen Westküste besucht, die mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten ganz hervorragend funktionieren. Auch in Europa gibt es solche Kommunen. Eine davon ist die „Burg Lutter“, zu der ich dich gerne einmal einladen würde, damit du siehst, dass Anarchismus durchaus gelebt werden kann. Aber auch im ganz großen Stil wurde schon gezeigt, dass sich anarchistische Gesellschaftsstrukturen verwirklichen lassen. Als Beispiel sei da nur die Machnowtschina genannt, oder eben die großangelegte Vergesellschaftung und Selbstverwaltung von Landbesitz und Industrie in der spanischen Revolution.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: So 11 Dez, 2011 23:23 
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Ich bin am Rande des arktischen Eises - und immer unsicher,
wann und ob ich Verbindung zum Internet habe.
Und geniesse meine Ferien.
Antworte, wenn ich aus den Ferien zurueck bin.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Di 20 Dez, 2011 09:51 
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Es ist richtig, dass ich weniger als wenig eine Ahnung habe von der Anarchie.
Mit der Burg Lutter, die mir im Ansatz bekannt war, ist eine Kommune gemeint,
die sich anarchisch bezeichnet. Jedoch viel eher einem religiösen Klosterleben gleicht,
sei dies nun katholisch oder buddisthisch oder eben anarchisch. Eine kleine Gruppe
von Menschen, die sich umgeben von Wohlstand und kapitalistischen Strukturen
einige Pralinen ausgelesen hat, selbstverwirklicht zu leben. Eine von einer
zumindest gedachten Mauer umgebende Sozialgemeinschaft.

Es gab in der Nähe von Schaffhausen das Wohnexperiment Wasterkingen. Hier wurde
zusätzlich auch versucht, die traditionellen Zweierbeziehungen aufzubrechen. Kunst
und Genuss im Leben waren die Devisen, Sexualität war und musste zwischen allen Beteiligten
möglich sein. Kinder wurden den Müttern zugeordnet, bewusst verzichtet zu forschen,
wer der Vater sein könnte.
Das Experiment ist sowas von gescheitert, leider. Es haben sich in dieser offenen Gesellschaft,
die bewusst von Allen gewollt worden ist, sofort Beziehungen angebahnt, zwischen Männlein
und Weiblein. Ganz banal: Es ist einfach schöner mit der XY im Bett zu liegen und ihren Körper
zu geniessen wie mit ZA. Ob das Experiment nur am Sex gescheitert ist, wage ich zu bezweifeln.
Aber die Lust auf Besitz, auf Alleinanspruch der Menschen gegenseitig, ist offenbar so gross,
dass die besten Vorsätze nicht ausgereicht haben, Anspruchshaltungen zu verhindern.

Dass anarchische Kleingruppen, auch wenn ein paar Hundert Menschen dabei sind, funktionieren
können ist völlig unbestritten. Die Problematik ist ganz anders. Wir sind eine Erde mit 7
Milliarden Menschen. Von denen nicht alle philosophisch ausgebildet sind - und diesem
Wissen auch nachleben. Wir strukturieren wir so viele Menschen, die zumeist mit Gier nach
Geld, Macht und Liebe ausgestaltet sind - dass auch die Schwächeren ein bisschen leben
können - und nicht reinster Darwinismus ausbricht. Anarchisch? Ja! Aber da habe ich
noch nie auch nur ein Ansatz von Theorie gelesen, der ein bisschen überzeugt hätte.

Das ist die Antwort, die zu suchen ist.

Die Antwort, wie ich in meiner Kleinfamilie leben, die ist einfach. Vorgegeben von den
Möglichkeiten der Umgebung. Eine Eskimofamilie lebt eben anders wie eine Pomorenfamile
oder eine Familie auf den Inseln des südpazifischen Meeres . . . aber zumeist in zumindest
halbanarchischer Struktur.
Die amerikanischen Indianer auch. Da ist der Bundeskanzlerkandidat Steinbrück SPD ja der
peinliche Experte. Aber das ist eine nicht anarchische Geschichte die hier nicht passt . . .

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mi 21 Dez, 2011 18:38 
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Aus meiner Sicht ist der Anarchimus nicht einmal im Rahmen von einer Grossfamilie zu leben.
Dass anarchische Kleingruppen, auch wenn ein paar Hundert Menschen dabei sind, funktionieren können ist völlig unbestritten.
;-)


Mit der Burg Lutter, die mir im Ansatz bekannt war, ist eine Kommune gemeint,
die sich anarchisch bezeichnet. Jedoch viel eher einem religiösen Klosterleben gleicht,
sei dies nun katholisch oder buddisthisch oder eben anarchisch. Eine kleine Gruppe
von Menschen, die sich umgeben von Wohlstand und kapitalistischen Strukturen
einige Pralinen ausgelesen hat, selbstverwirklicht zu leben. Eine von einer
zumindest gedachten Mauer umgebende Sozialgemeinschaft.



Wie du bei der Burg Lutter auf religiöses Klosterleben kommst ist mir schleierhaft?
Ich würde sagen, auf den dort stattfindenden Festen, bei denen auch mal Künstler dabei sind, geht es eher dionysisch zu . Auch wenn die „Pralinen“ nicht im dekadenten Umfang vorhanden sind und öfter auch mal harte Arbeit angesagt ist, lebt man dort im allgemeinen recht lebensfroh und freizügig.


Es gab in der Nähe von Schaffhausen das Wohnexperiment Wasterkingen. Hier wurde
zusätzlich auch versucht, die traditionellen Zweierbeziehungen aufzubrechen. Kunst
und Genuss im Leben waren die Devisen, Sexualität war und musste zwischen allen Beteiligten
möglich sein. Kinder wurden den Müttern zugeordnet, bewusst verzichtet zu forschen,
wer der Vater sein könnte.
Das Experiment ist sowas von gescheitert, leider. Es haben sich in dieser offenen Gesellschaft,
die bewusst von Allen gewollt worden ist, sofort Beziehungen angebahnt, zwischen Männlein
und Weiblein. Ganz banal: Es ist einfach schöner mit der XY im Bett zu liegen und ihren Körper
zu geniessen wie mit ZA. Ob das Experiment nur am Sex gescheitert ist, wage ich zu bezweifeln. Aber die Lust auf Besitz, auf Alleinanspruch der Menschen gegenseitig, ist offenbar so gross, dass die besten Vorsätze nicht ausgereicht haben, Anspruchshaltungen zu verhindern.


Einer nicht unerheblichen Anzahl von gescheiterten Gemeinschaftsprojekten, steht immerhin eine ganze Reihe gelungener gegenüber. So z.B. das ZEGG, das Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung, in dem u.v.a. die „Freie Liebe“ ausprobiert wird. Freie Liebe heißt dort nicht Rudelbummsen oder verantwortungsloses „jeder mit jeden“. Es geht vielmehr darum, heraus zu finden wie Liebesbeziehungen ohne Besitzansprüche und frei von Angst gelebt werden können. Ohne Angst vor Verlust, vor Verletzungen, vor Versagen etc. Dort gibt es sogar eine Liebesakademie mit sinnlichen spielerischen Begegnungen, intimen Vorträgen, und mit Gesprächsrunden zu Themen wie z. B.: "Loblied auf die Impotenz - die Kunst des Nicht-Tuns in der Sexualität " und "Was ist die Basis für dauerhaftes Liebesglück ?" In der seit über zwanzig Jahren bestehenden Gemeinschaft mit über 100 Leute, leben übrigens auch Menschen die unterschiedlichsten Künsten nachgehen. Dieses Jahr wurde im Jahrestraining Kunst, die Veranstaltung „Malen ist Lieben“ angeboten.

Dass anarchische Kleingruppen, auch wenn ein paar Hundert Menschen dabei sind, funktionieren können ist völlig unbestritten. Die Problematik ist ganz anders. Wir sind eine Erde mit 7 Milliarden Menschen. Von denen nicht alle philosophisch ausgebildet sind - und diesem
Wissen auch nachleben. Wir strukturieren wir so viele Menschen, die zumeist mit Gier nach
Geld, Macht und Liebe ausgestaltet sind - dass auch die Schwächeren ein bisschen leben
können - und nicht reinster Darwinismus ausbricht. Anarchisch? Ja! Aber da habe ich
noch nie auch nur ein Ansatz von Theorie gelesen, der ein bisschen überzeugt hätte.

Das ist die Antwort, die zu suchen ist.


Da hast du vollkommen recht! Es gibt unter den anarchistischen nicht wenige Modelle die favorisiert werden. Gute Chancen auf Massenkompatibilität hätten vielleicht der Anarchosyndikalismus oder der von Murray Bookchin begründete libertäre Kommunalismus: http://andreaskemper2.wordpress.com/art ... ot3ts-391/ Ich selbst kann mir gut vorstellen, dass das letztgenannte recht Erfolgreich sein könnte.

Zum Schluss noch mein anarchistisches Lieblingsgedicht:

Anarchie braucht keine Hosenträger

Anarchie braucht keine Hosenträger Krawattennadeln

oder Wahrheiten die sich in warme Socken verwandeln

kaum daß die Sprache in ihnen Fuß gefaßt hat Anarchie

braucht keine Moral keine Tapete des Denkens keine

Objektivität diese Lebensversicherung des Alltags die

unter den Achseln juckt sie braucht keine Parteien jene

Lutschbonbons aus dem Regal für Sonderangebote

Anarchie braucht keine Religion oder Schiedsrichter

Wegweiser Lehrstühle

Anarchie ist Leben

Anarchie ist Leben Anarchie ist keine 4-Zimmer-

Wohnung und sie ist auch kein Swimming-Pool kein

Vorgarten keine Schönheit kein Hauptgewinn sie ist

auch keine Sitzhaltung Anarchie ist kein Fahrstuhl Da

ist kein Knopf dran um sie zu regeln oder abzustellen

Anarchie ist keine Methode keine Filteranlage kein

Mikroskop unter dem sich das Leben seziert Sie ist

auch kein Fahrschein kein Urlaubsziel keine Zeitreise

Sie ist keine Psychologie keine Therapie kein Fußball

Anarchie ist Lebensraum

Anarchie ist Lebensraum Sie ist die Leerstelle zwischen

zwei Worten in die das Denken taucht Sie ist der Anfang

vom Anfang oder der Aufsprung einer inneren Katze

gegen die Wirklichkeit Sie fährt ihre Krallen aus gegen

das verbeamtete Deutschland Sie ist ein Aufstand der

Leidenschaft gegen die Fahrpläne der Bildung in denen

der Staat die Auswahl der Gedanken normiert Anarchie

ist die Karambolage auf den Straßen der Gelehrsamkeit

eine Katastrophe in den SchabIonen der Interpretation

Anarchie ist sinnliche Praxis Ein Bluterguß am Kopf

der Normalität Anarchie ist Bewegung

Anarchie ist Bewegung freies Spiel der Gedanken

Revolte der Poesie gegen das lineare Denken

Zuversicht die hinter den Ohren flutscht oder eine

Seifenkiste in der die Sprache die Hügel der

Kriegsgräber hinabfährt Anarchie spuckt auf das

Heldentum freiwilliger Selbstunterwerfung unter die

Herrschaft und auf die Prophezeiungen der Politik Sie

speit auf den Nationalgedanken in dessen Namen der

innere Soldat ins äußere Regiment umschlägt Nein

Anarchie stößt die Palette um auf der sich

Nationalfarben in Gesinnungen verwandeln

Anarchie küßt sich frei

Anarchie küßt sich frei durch die Holzwege der

Tagesschau auf denen sich die euro-nationale

Masthaltung der Wähler zur Meinungsbildung

objektiviert Anarchie holt die Nachrichtenkutscher vom

Kutschbock der Wahlstatistik herunter Anarchie

verknotet die Fernsehkanäle zu Geschenkschleifen

und zieht den Stecker raus Anarchie bindet Wahrheiten

zu Blumensträußen und lacht an gegen Werbemacher

Wahlforscher und Strategen denen ihr aus Fangquoten

destillierter Zeitgeist abrutscht und als Kronkorken in

die Auffangschalen der Lottoziehung fällt Anarchie

braucht keine Ersatzmittel Steigbügelhalter des Daseins

Stützmieder oder Körperkorsetts Hosenträger

Anarchie braucht keine Hosenträger keinen Tragegurt

der irgendwelche zu Legislaturperioden zusammengewebten

Versprechen als kurzbeinige Hosentracht

am Bierbauch der Konventionen festhält Nein Anarchie

löst die Halterungen der Wirklichkeit und läßt sie zu

Boden fallen Anarchie verwandelt Konventionen in

Stangenlakritz – Anarchie: wie Wind der durch die

Hosen fährt oder ein Schlag auf die lichtbespannten

Trommeln der Vorstädte gegen den Rhythmus der

Ampelanlagen vor denen der blondierte Alltag seine

Gewohnheiten zum Blindflug formiert

Ralf Burnicki


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: So 25 Dez, 2011 13:13 
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Burg Lutter weist fast alle Komponenten eines traditionellen Klosterlebens auf.
Es ist eine Insidergemeinschaft mit Gästen
Die Aufgaben werden sozialverträglich gemeinsam erledigt
Die Hierarchie ist flach
Es besteht eine umfangreiche Rückzugsmöglickeit aus der Gruppe, so
Diese aus welchen Gründen immer erforderlich ist.
Das Gebet versus Vollversammlung.

Dass Klöster nicht lebensfroh sind wirkt vielleicht so, wenn man dies aus weiter
Entfernung betrachtet. Und auch eher in neuer Zeit. So sind in vielen
Städten, so zum Beispiel in Stein am Rhein die Häuser der Huren und der Mönche
Nahe einander gebaut. In Stein am Rhein (in der Schweiz) bestand im Mittelalter
diese städtebauliche Situation. Beim Stadtbrand, der im Kloster begann m,ussten erst
die Mönche zusammen gesucht werden, um zu helfen, den Brand im Kloster
zu löschen. Glücklicherweise waren die Herren nicht weit weg.

Ich hatte einmal die Gelegenheit, bei Professor Pater Roman Bannwart Vorlesungen
In Gregorianik zu besuchen. Ziel war das erkennen der alten Notenschrift, der Neumen,
wie auch das historische Umfeld der Musik des 10 bis 12. Jahrhunderts kennen zu
lernen. Der Abschluss war eine in gregorianischer Tradition vollständig gesungener
katholischen Messe mit 4 Kollegen von Pater Bannwart, also anderen Mönchen und
allen Studentinnen und Studenten.
Wir trafen uns am Zürichsee nahe der Insel Ufenau mit der rund 900 Jahre alten Kirche,
die im Besitz des Klosters ist. Und die die schwimmen konnten, schwammen die rund
300m vom Ufer bis zur Insel, während einer der Mönche mit dem Nauen, einem
Flachboot, die Kleider und die Nichtschwimmer auf die Insel ruderte. Da wanderten
wir, wieder angezogen, in die auf dem höchsten Punkt stehende Kirche und zündeten
Kerzen an, um Licht zu haben, die alten Notenblätter, kopiert durch neue Technik
zu sehen.

Nach dem rund 2 stündigen Messegesang, als wir die Kerzen löschten du langsam
aus der Kirche traten, waren wir alle sehr ergriffen, nicht nur die Studenten sondern
auch die Mönche, man dankte sich gegenseitig mit der Hand, einzelne unter den
Teilnehmenden waren liiert und küssten sich. Aber die Mönche wie auch der Professor
wurden nicht von wenigen der Studentinnen gedrückt. Wir beschlossen, in die am
Ufer liegende Gaststätte zu gehen, und liessen die Stimmung bei Rotwein, Brot und
Wurst ausklingen,
Unabhängig der Religion, das Seminar war für alle Musikhistoriker Pflicht, für die
Kunsthistoriker Wahl . . . . . keiner der dabei war, hat diese Stunden mit den
Mönchen je vergessen, da bin ich überzeugt.

Was ich damit schreiben will: Die Klöster waren der Ort der Gelehrten, der Klugen,
der Gereisten . . der Kunstschaffenden. Spiritualität und Sinnlichkeit gehört in alle
diese Erlebensbereiche. Und was nicht zu vergessen ist. Zölibat bedeutet nicht keine
Sexualität haben zu dürfen – es bedeutet keine Familie zu gründen.

Lebensfroh und freizügig soll es da recht oft zu und hergegangen sein . . dem Vernehmen
nach.

Und weil wir im Kunstforum sind: Es gibt, vielleicht leider, keine Organisation dieser Welt,
die mehr für die Kunst getan hat. Nach wie vor wird fast jedes Buch, das publiziert wird
gelesen und zensuriert. Früher hiess die Liste Index Librorim Prohibitorum und wurde
irgendwann nach dem 2. Weltkrieg abgeschafft. Was alle Kenner des Vatikan bezweifeln.
Die Archive des Vatikans haben eine Fülle an Daten und Informationen, die noch Kunst-
schätze – und Missbräuche aller Art – auflisten, von denen wir uns noch nicht einmal
träumen wagen. Die Europäische Kultur ist massgeblich, seit dem 5. oder 6. Jahrhundert
sicher bis ins Ende des 20. Jahrhunderts von dieser Kirche geprägt und dominiert worden.
Und nie war diese Kirche irgend etwas von Anarchistisch.

Mittleres Lachen hast Du bei mir mit Andreas Kempers Beitrag ausgelöst. Das ist zweifels-
frei kein Anarchismus sondern simple direkte Demokratie, wie sie in den Urkantonen in
der Schweiz noch gepfelgt wird. Auf dem Landsgemeindeplatz treffen sich die Bürger und
wählen und stimmen ab. Leider – zB wegen dem Frauenstimmrecht – sterben diese Ur-
traditionen aus. Die Gruppe an Stimm- und Wahlberechtigten wurde zu gross. Die Direkte
Demokratie – oder zumindest Teile davon, können in einem kleinen Land wie die Schweiz
eben noch bewältigt werden. Die Struktur Land – Kanton – Bezirks – Gemeinde, wobei die
Gemeinde die höchste Hüterin der Demokratie ist. Es besteht auch Amtszwang. Findet ein
Wahlgremium: Hans ist der Beste für dieses Amt, kann er dazu durch Gesetz gezwungen
werden. Anarchisch? Wohl kaum – aber Direktdemokratisch.
Direkte Demokratie kann in überschaubaren Verhältnissen gelebt werden. Ich behaupte
mal, schon in Deutschland wäre es nicht mehr möglich, in Europa schon gar nicht, weil da
nebst Meinungsunterschieden auch zu grosse kulturelle Unterschiede bestehen. Und wenn
wir Indien oder China ansehen mit je über einer Milliarde Menchen . . Kein Erfolgsrezept!

Freie Sexualität versus Rudelbumsen . .
Wenn man Kurse anbieten muss, wie Loblied der Impotenz – die Lust des Nichts tuns in
der Sexualität sind wir im Tantra gelandet, was wiederum eine fast religiöse Lehre ist –
und wiederum gar nichts mit Anarchie sondern mit dem Ausgleich der Kraft der Sinnlich-
keit zwischen zwei Menschen., dann beginnt doch bereits der nicht anarchische Ansatz:
Mach es so! – und schon sind wir im Liberalismus, wo Du ja auch nicht hin willst.

Das anarchische Liebesgedicht:
Es ist ein schöner Text, zwar kein Gedicht sondern Prosa – aber das ist auch nicht so wichtig.
Aber was viel wichtiger ist: Ein reines Glaubensbekenntnis zum Anarchismus – nun sind wir
wieder gelandet, wo wir gestartet sind.

Schöne Weihnacht

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
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Endlich funktioniert der KC wieder!

"Zölibat bedeutet nicht keine Sexualität haben zu dürfen – es bedeutet keine Familie zu gründen".

Was du da von deinem Kontakt mit Mönchen geschrieben hast, fand ich ganz interessant. Doch soweit ich weiß, ist nach der katholischen Religion Sex außerhalb der Ehe eine Todsünde. Ob das auch für Sex mit sich selbst gilt weiß ich nicht, kann ich mir aber vorstellen.

"Mittleres Lachen hast Du bei mir mit Andreas Kempers Beitrag ausgelöst. Das ist zweifels-
frei kein Anarchismus sondern simple direkte Demokratie, wie sie in den Urkantonen in
der Schweiz noch gepfelgt wird".


Bei genauen lesen ihres Texts geht hervor, dass mit dem Libertären Kommunalismus viel mehr verbunden ist, als die Praktizierung von „simpler direkter Demokratie“ . Nämlich „das große Ziel einer Umgestaltung der Gesellschaft“. Und die spielt bekanntlich in den „Urkantonen in der Schweiz“ (leider) keine Rolle. Was wiederum nicht so zum lachen ist.

"Direkte Demokratie kann in überschaubaren Verhältnissen gelebt werden. Ich behaupte
mal, schon in Deutschland wäre es nicht mehr möglich, in Europa schon gar nicht, weil da
nebst Meinungsunterschieden auch zu grosse kulturelle Unterschiede bestehen. Und wenn
wir Indien oder China ansehen mit je über einer Milliarde Menchen . . Kein Erfolgsrezept!"


Wie ich schon darauf hinwies, gibt es genügend Belege dafür, dass Anarchismus sehr wohl auch Massentauglich war, wie zum Beispiel im schon damals dicht bevölkerten Katalonien, wo 1936 im Großraum Barcelona Millionen von Menschen gelebt haben. Und vielleicht ist gerade Indien besonders geeignet für diese Gesellschaftsform. So ist die von Gandhi organisierte "Satyagraha Bewegung" stark anarchistisch geprägt, dessen Wurzeln sich im alten Denken der Hindus zurückführen lassen und die durchaus Konzeptionen einer staatenlosen Gesellschaft hatten.

"Wenn man Kurse anbieten muss, wie Loblied der Impotenz – die Lust des Nichts tuns in
der Sexualität sind wir im Tantra gelandet, was wiederum eine fast religiöse Lehre ist –
und wiederum gar nichts mit Anarchie sondern mit dem Ausgleich der Kraft der Sinnlich-
keit zwischen zwei Menschen., dann beginnt doch bereits der nicht anarchische Ansatz:
Mach es so! – und schon sind wir im Liberalismus, wo Du ja auch nicht hin willst."


Da ich selbst schon Tantra Kurse mitgemacht habe, kann ich dir versichern, dass es sich bei den Anleitungen immer nur um Empfehlungen handelt. Ansonsten, befreit Tantra durch anarchistische Loslösung von Regeln, Konzepten, Glaubenssätzen, Verhaltensmustern.

Anbei noch ein Video von einer politische Kunstaktion gegen das World Economic Forum, des von mir geschätzten Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn.

Ein gutes neues Jahr.




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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: So 08 Jan, 2012 15:06 
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Es ist schon klar, dass anarchische Gesellschaften nicht so viel mit
alteidgenössischer Direktdemokratie zu tun hat.
Aber ich habe nach wie vor noch nirgendwo eine auch nur ansatzfähige Lösung
der Anarchie über eine vielleicht Grossfamilie oder ein Kloster.
Im weitesten Sinne ist das katholische Kloster im Grundsatz anarchisch.
Keine Strukturen, der Moderator ist offen gewählt, die Unterwerfung in
Bezug auf Zeit und Ziel ist frei gewählt.

Herr Hirschhorn ist weniger Künstler wie Spektakelbauer. Weil er dies auf einer
spannenden Ästhetik aufbaut wird er trotzdem als Künstler gehandelt.
Zur Zeit sogar sehr hoch.

Ich weiss nicht genau, wie und woher Herr Hirschhorn seine Arbeiten finanziert.
Ich befürchte es wird ihm mal gehen wie Max Frisch an einer Gewerkschaftsveranstaltung.
Max Frisch geisselte den Kapitalismus, die Gier der Managerschicht und was man sonst so
schreit an derartigen Veranstaltungen. In der anschliessend Diskussion meldete sich
ein älterer Gewerkschafter, wohl einer der wirklich "Arbeiter" war und sagte:
"Genosse Max, ich wollte nur sagen: Ich bin mit dem Fahrrad hier und Du mit dem Bentley.
Du wirkst etwas peinlich."

Die Sache war gegessen und Max Frisch konnte nach Hause gehen.

Für mich ist die Diskussion in Bezug auf Anarchie mal abgeschlossen. Zumindest für mich
gab es auch nicht einen Hinweis auf Gebrauchstauglichkeit für eine auch nur mittelgrosse
Menschengruppe.

Heiner

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Wer Kunst kann, ist eher Kunstverkäufer wie
Künstler, was mit Sicherheit mehr Geld einbringt


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Di 10 Jan, 2012 20:10 
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"Herr Hirschhorn ist weniger Künstler wie Spektakelbauer."

Da ist sie wieder, diese unangenehme Überheblichkeit, diese Anmaßung wissen zu wollen was Kunst ist, oder was nicht. Wenn du wenigstens ein „m. E.“ verwendet hättest. Ich hoffe, dass über deine Bilder respektvoller geredet wird…


"Für mich ist die Diskussion in Bezug auf Anarchie mal abgeschlossen. Zumindest für mich
gab es auch nicht einen Hinweis auf Gebrauchstauglichkeit für eine auch nur mittelgrosse
Menschengruppe".



Ich will dir wirklich nicht zu nahe treten, aber bist du eigentlich nur unaufmerksam oder einfach nur ein Ignorant? Ich nehme mal an, dass letzteres für dich zutrifft. Sonst würdest du nämlich auf meine handfesten geschichtliche Verweise, mit der die Funktionsweise großer anarchistischer Gesellschaftssysteme belegt werden, zumindest argumentativ einmal eingehen. Kann es angehen, dass du die Diskussion darüber lieber abschließt, weil bei einer wirklich ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema, deine bisherige Vorstellungswelt ins Wanken gebracht werden könnte? Na ja, das wirst du natürlich nicht zugeben können.

Ein Beleg dafür könnte sein, deine auch hier wieder deutlich werdende total widersprüchlichen Aussagen:

"Dass anarchische Kleingruppen, auch wenn ein paar Hundert Menschen dabei sind, funktionieren können ist völlig unbestritten".


"Zumindest für mich gab es auch nicht einen Hinweis auf Gebrauchstauglichkeit für eine auch nur mittelgrosse Menschengruppe".



Übrigens, wenn ich hier schon mit jemanden einen Federkrieg führe, erwarte ich zumindest, dass mein Gegenüber sich auch die Mühe macht, mir vollständige Sätze zukommen zu lassen, und mir nicht solch ein Fragment wie dieses um die Ohren haut: „Aber ich habe nach wie vor noch nirgendwo eine auch nur ansatzfähige Lösung der Anarchie über eine vielleicht Grossfamilie oder ein Kloster“. Häh?


Hier für alle die des Englischen kundig sind, noch ein Video, über eine v. a. in den 60ger Jahren bedeutsame Künstler- und Intellektuellengruppe, die der Gesellschaft den Spiegel vor hielt und u. a. die internationale Kunstszene beeinflusst hat: Die Situationisten




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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: So 22 Jan, 2012 12:55 
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Schade, keine Antwort mehr von Polarlicht.

Nun ja, vielleicht geht’s weiter, ohne über die Idee des Anarchismus zu diskutieren.


Ich habe eine hochinteressante Schweizer ;-) Dokumentation mit dem Namen „Gegenangriff“ gefunden, in der gezeigt wird, wie Künstler_innen das Thema Wirtschaft bzw. Kapitalismus „zum Objekt ihrer Kunst machen“.

In der Beschreibung zum Video heißt es weiter:
„Zum Thema «Ungleichheit» ist die Arbeit der US-Künstlerin Tina Barney zu sehen. Seit den frühen 1970er-Jahren untersucht sie in einer fotografischen Langzeitstudie ihr eigenes Milieu: das der Superreichen.

Der britische Künstler Michael Landy wird zum Thema Konsum befragt; in seinem Selbstexperiment «Breakdown» zerstörte er im Namen der Kunst seinen gesamten Besitz. Alles, was er hat, von Fotos aus der Kindheit bis hin zu seinem eigenen Werk, wird zerschreddert und pulverisiert.

Was ist der Mensch, wenn da nichts mehr ist: keine Dinge, keine Marken, keine Projektionsflächen? Das Autorenduo Nico Weber und Piroschka Dossi hinterfrägt - mittels der Kunst - Werte, die das menschliche Leben und Denken prägen.“

Über diese filmischen Beiträge lässt sich doch vortrefflich diskutieren, oder?




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