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 Betreff des Beitrags: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mo 21 Nov, 2011 11:52 
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Das von Noback eingebrachte Problem, zu den Kindersklaven auf Kakaoplantagen hat mich inspiriert, dass Thema Kunst und Politik hier einmal zur Diskussion zu stellen. Meiner Ansicht nach, leben noch viel zu viele Künstler in einem Elfenbeinturm, was zur Folge hat, dass eine Auseinandersetzung mit politisch relevanten Angelegenheiten viel zu selten stattfindet. Dabei wäre es doch gerade auch für Künstler wichtig, sich mit Themen wie Klimawandel, Finanzkrise, Neonazis, Flüchtlinge u.s.w. auseinanderzusetzen. Der Kunstclub scheint mir in dieser Richtung bislang recht harmlos ausgerichtet zu sein. Um diesen Zustand aufzubrechen, möchte ich mit einigen Beispielen aufzeigen, wie Künstler sich mit politischen Themen beschäftigen und sie zum Gegenstand ihres Wirkens machen.

Gut zur anstehenden Klimakonferenz, die Ende November in Durban beginnt (und wo wahrscheinlich wieder nichts herauskommen wird), passt dieses Video des Aktionskünstlers und Malers Hermann Josef Hack.





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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mi 23 Nov, 2011 09:38 
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Silberbrigg hat geschrieben:
Meiner Ansicht nach, leben noch viel zu viele Künstler in einem Elfenbeinturm, was zur Folge hat, dass eine Auseinandersetzung mit politisch relevanten Angelegenheiten viel zu selten stattfindet.


Hast Du Beispiele für Deine Ansicht, dass zu viele Künstler in einem Elfenbeinturm leben?
Oder anders gefragt: Hast Du Beispiele dafür, dass zu viele Künstler eine Auseinandersetzung mit politisch relevanten Themen ablehnen?

_________________
(@ Tobias
Wenn ich diese Fragen nicht öffentlich im Forum sondern nur als PN stellen darf, lösche bitte meinen Foreneintrag.)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mi 23 Nov, 2011 18:40 
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Silberbrigg hat geschrieben:
Meiner Ansicht nach, leben noch viel zu viele Künstler in einem Elfenbeinturm, was zur Folge hat, dass eine Auseinandersetzung mit politisch relevanten Angelegenheiten viel zu selten stattfindet.


Ich kenne viele Leute, die sich mit politisch relevanten Themen auseinandersetzen -
und deswegen nicht zwingend Künstler sein müssen.
Und ich kenne viel Künstler, die sich mit Themen auseinandersetzen, die vielleicht
nicht so auf der Strasse liegen - deswegen nicht weniger nachhaltig als Künstler
arbeiten.
Ich kenne zur Zeit keinen erfolgreichen Künstler, der sich nicht zeitkritisch äussert.
Ich kenne jedoch viele "Pinsler" die sich ein Thema auf die Wange kleben, irgendwie
Farbe auf eine Leinwand schmieren oder mit Kamera, Drucktechniken etc.
Kunstwerke schaffen - und diese dann im Mainstream der breiten Betroffenheit
zu verkaufen versuchen.
Ich war 2009 mit einem solchen Künstler auf einer Hundeschlittentour. Am ersten Tag
stellte er sich vor: Weisst Du, sagte er, ich bin Künstler, ich kann mich nicht in die tägliche
Routine der Hundepflege. Ich guckte einen Tag beim fahren zu - und sagte ihm am Abend:
Noch so ein Tag - und wir lassen dich hier stehen. Und nehmen dich wieder mit, wenn wir
aus dem Norden zurück kommen. Er beschäftigt sich mit seiner
Arbeit mit der Klimaerwärmung und macht schöne Bilder, auf denen man sehen kann,
wie Gletscher jedes Jahr 300 sich zurück ziehen. Aber keine Kunstwerke, eher Grafiken.
Das ist egal. Der Mann engagiert sich für was, er versucht ein Etikett aufzubauen -
aber er ist deswegen noch kein Künstler. Sondern etwas, wofür sich kein Wort in
diesem Forum findet.

Zitat:
Dabei wäre es doch gerade auch für Künstler wichtig, sich mit Themen wie Klimawandel, Finanzkrise, Neonazis, Flüchtlinge u.s.w. auseinanderzusetzen. Der Kunstclub scheint mir in dieser Richtung bislang recht harmlos ausgerichtet zu sein. Um diesen Zustand aufzubrechen, möchte ich mit einigen Beispielen aufzeigen, wie Künstler sich mit politischen Themen beschäftigen und sie zum Gegenstand ihres Wirkens machen.


Dies ist vor allem für Aktionskünstler wichtig. Da ist weniger die Aktion im Vordergrund,
viel eher die Provokation. Thomas Hirschhorn zum Beispiel hat im Centre suisse culturell
an einer Ausstellung über die Schweiz eine Schweizer Fahne genommen und diese anstellle
eines Textil-Schuhreinigungsbereichs auf den Boden gelegt, so dass jeder über diese
Schweizerfahne laufen musste. Als Kunst wertlos, als Aktion perfekt funktionierend.
Schon zuvor hat er ein Plakat eines populären Politikers genommen, auf den Boden gelegt
und einen Schauspieler beauftragt, auf das Bild zu pinkeln. Auch keine Kunst - aber wiederum
perfekte Provokation.
Dieser Aktionskünstler hat die Schweiz an der Biennale in Venedig vertreten. Ich weiss nicht
einmal, was er gemacht hat. Seine Aktion hat ganz offensichtlich nicht geklappt.

Viele eher Kunst sind zum Beispiel einzelne Werke von Dürrenmatt, wo er die Schweiz auch
anprangert.
Zum Beispiel zur 700 Jahr Feier der Schweizerischen Eidgenossenschaft schrieb er eine
Novelle der Schweiz, die er mit einem Gefängnis vergleicht. Und zwar einem sonderbaren
Gefängnis wo man nie weiss, ob man nun Wächter oder Gefangener ist - und sich diese
Funktion immer wieder der Situation anpasst. Nur haben viele den subtilen Witz
nicht erkannt.
Max Frisch hat an einem Anlass der Berufsgemeinschaft der Schriftsteller, dem Pen-Club
der Schweiz zur Zeit als er den Club präsidierte seine Kollegen mit: Liebe Penner
angesprochen - diese Provokation hat wieder perfekt funktioniert.
Er war nicht mehr lange Präsident dieses Clubs. Auch andernorts stiess Max Frisch
ab und an auf Ablehung. So hielt er eine Rede an einem Gewerkschaftskongress:
Über Zukunft und Kommunismus, die Gleichheit der Menschen und vieles mehr.
In der Diskussion meldete sich ein Teilnehmer und meinte:
Die schönen Worte von Herrn Frisch habe er gehört. Er möchte nur sagen, dass
er mit seinem Fahrrad hergefahren sei, während Herr Frisch sich mit seinem
Rollce Royce habe chauffieren lassen . . . .

Ich glaube wichtig ist bei Künstlern, dass sie nachhaltig und nachvollziehbar
arbeiten. Ansonsten sind sie eher Populisten, Politiker, Journalisten oder dergleichen

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mi 23 Nov, 2011 18:45 
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Ich habe mit anderen eine Kultureinrichtung gegründet, die es jetzt seit ca. 20 Jahren gibt. In ihr werden neben der Möglichkeit Ausstellungen zu machen auch politische Aktivitäten angeboten. Letztere werden aus Künstlerkreisen so gut wie gar nicht frequentiert. Auch die Ausstellungen haben sich in all den Jahren kaum mit gesellschaftspolitischen Themen beschäftigt und hatten meist einen eher allgemeinen Charakter.

Natürlich gibt es auch andere Beispiele, wo anders damit umgegangen wird, wie z.B. das Gängeviertel in Hamburg.

Passend dazu auch, was Hermann Josef Hack dazu sagt:




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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Fr 25 Nov, 2011 12:13 
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@Heiner

Deine hier zu findenden Beiträge und Anekdoten finde ich oft gelungen. Aber ich halte es für problematisch und auch für etwas überheblich, wenn du anhand deiner aufgezeigten Beispiele meinst festlegen zu können, ob etwas Kunst ist oder nicht, oder ob jemand ein Künstler ist, oder nach deiner abschätzigen Bezeichnung lediglich ein "Pinsler"?

Eine m.E. gute Begriffsbestimmung was Kunst ist, kam von Prof. em. Dr. phil. Claus Tiedemann:
„Kunst ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich aufgrund ihrer Begabung, Fähigkeiten und Fertigkeiten bemühen, ihre Gefühle und Gedanken durch ein selbst geschaffenes Werk oder durch eine Handlung auszudrücken. Besteht der Ausdruck in einem Werk (Gegenstand, Gebilde), das nach seiner Vollendung auch andere Menschen sinnlich wahrnehmen können, wird dieses Tätigkeitsfeld “bildende” Kunst genannt; besteht der Ausdruck in einer Handlung, ist er also an die leibliche Präsenz des Künstlers gebunden, wird es “darstellende” Kunst genannt.“

Nach dieser Begriffsbestimmung, ist die unten zu sehende Aktion, von Designer_innen gegen Überwachungspraktiken in Sydney, auf alle Fälle Kunst:




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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Fr 25 Nov, 2011 16:12 
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@ silberbrigg
Du darfst mich gerne als Arrogant bezeichnen, das kann ich gut verkraften.
Es geht mir dabei weniger um abwertend, wie um definierend. Ich fühle mich
auch nicht als Fotograf sondern als Bildchenmacher. Und sehe mein Tun eher
als dokumentarisch wie künstlerisch.

Die Beschreibung von Herrn Prof. Claus Tiedemann ist im ersten Teil eine aus meiner
Sicht nicht nachhaltige Definition. Der zweite Teil ist Auszug einer Grundlagenvor-
lesung für Kunsthistoriker, Architekturtheoretiker und ähnlichen Personen. Diese
Definition ist absolut wasserdicht.
Worum ich diesen ersten Definitionsteil von Herrn Prof. Tiedemann als nicht nachhaltig
empfinde habe ich im vor Dir bemängelten Kommentar schon gegeben.

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Sa 26 Nov, 2011 20:18 
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Warum sollte ich dich als "Arrogant" bezeichnen?! Ich nannte deine Feststellungen lediglich "etwas überheblich". Kann es sein, dass du eine Neigung hast zu übertreiben?

Eine andere wichtige Frage, was Kunst und Politik angeht, wurde mal im Kunsthaus Tacheles gestellt:

Kann politisch korrekte Kunst uns vor zu viel Freiheit schützen?




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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: So 27 Nov, 2011 23:21 
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Ich habe den Film jetzt 3 mal angesehen.
Nebst dass er gut gemacht ist, habe ich einige Probleme
damit die Aussage zu verstehen. Schon die Hauptfrage ist zumindest unüblich:

Kann politisch korrekte Kunst uns vor zu viel Freiheit schützen?

Ich nehme einmal, dass dieser Satz dadaistisch gemeint ist und daher:

Kann uns Kunst politisch korrekt viel Freiheit schenken - oder ähnlich
gedacht ist.

Nicht mehr erkennen, wohin die Reise geht ist die Diskussion
der Mitte mit dem Links und Rechts, dem Oben (Gläubigen) und
Unten (Ungläubigen). Solche und ähnliche Betrachtungsweisen gab es
immer mal wieder, sie sind kunsthistorisch jedoch kaum mehr
akzeptiert und jüngeren Leuten kaum mehr bekannt.

Was soll diese Szene also? Ich erkenne da den Sinn der Wortspielerei
überhaupt nicht. Viel schöner finde ich das Bild des Kreises wie die der
Ebene - und die des Kreises so, dass die Neunmalklugen und die Schulschwachen
sich an einem Punkt des Kreises treffen und die anderen sich dann kreisum einreihen.
Oder die politisch aktiv Linken und die politisch aktiv Rechten sich auch an
einem Punkt treffen. Nimmt man da "Geschrei" weg beginnen sich die Aussagen
recht zu ähneln.

So kriegt man eine Vorstellung des *Menschenkreises" und eine Mitte, die "leer" ist,
und darum durch Kunst zu besetzten sein könnte. Dieses ziemlich weit herum akzeptierte
Bild erkenne ich in den Gedanken der Filmemacher nicht.
Der Sinn des Filmes, erkennbar am Ende, ist schliesslich und endlich ein
Aufruf gegen die Bank, die das Objekt Kunsthaus schliessen will, wohl weil die Zinsen
nicht bedient werden. Ist das ein Kunstproblem? Oder ein Problem der Kunst?

Noch einmal zurück zur Frage:
Freiheit schützen? Ist das eine Aufgabe der Kunst? Schützen?
Ich bin im Grundsatz der Meinung, dass Kunst nicht schützen soll, weil schützen
nicht dynamisch ist sondern statisch. Kunst soll bewegen - und dann bin ich mit
dieser Forderung plötzlich meilenweit vom Film weg,

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mo 28 Nov, 2011 20:53 
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@Heiner

Es geht bei dem satirisch gemeinten Film darum, deutlich zu machen, dass Kunst Stellung beziehen muss. Und damit wird auch deine Frage, nach Aufgabe der Kunst beantwortet: Stellung beziehen. Ich würde sogar noch weiter gehen. Es geht darum auf einer bestimmten Seite Stellung zu beziehen und die Entwicklung von emanzipatorischen Prozessen voranzutreiben. Du hast recht, Kunst soll bewegen!

Zum Vergleich Links / Rechts: Ein Freund hat das auf die kurze Formulierung gebracht: "Man kann Links und Rechts nicht gleichsetzen, weil die Linke keinen eliminatorischen Rassismus vertritt. Wer es doch macht, wertet den Nationalsozialismus auf, verharmlost die Shoah, und disqualifiziert sich damit wirkungsvoll selbst".


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Di 29 Nov, 2011 16:30 
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Silberbrigg hat geschrieben:
Zum Vergleich Links / Rechts: Ein Freund hat das auf die kurze Formulierung gebracht: "Man kann Links und Rechts nicht gleichsetzen, weil die Linke keinen eliminatorischen Rassismus vertritt. Wer es doch macht, wertet den Nationalsozialismus auf, verharmlost die Shoah, und disqualifiziert sich damit wirkungsvoll selbst".


Es ist mir bewusst, dass für den deutschsprachigen Raum die Szene um den National-
sozialismus viel beängstigerend wirkt wie die Links-Autonome.

Dass die Linke keinen "eliminatorischen Rassismus" vertritt ist hingegen absoluter Unsinn.
Man beachte zum Beispiel die Linke Szene im Bereich der Oktober-Revolution 1919 gegenüber
den hinter dem Ural lebenden Urvölkern, den Roma in den nördlich des Balkans, den
Samen oder Pomoren in Nordskandinavinen und dem angrenzenden ur-russischen Gebiet.
Um nicht spätere eher verdächtige Geschichten heranzuziehen. Du kannst natürlich behaupten,
dass schon damals dies keine linke Szene mehr gewesen sei - sondern eine Staatstragende.
Dem stimme ich zu. Dies war jedoch auch im Nationalsozialismus der Fall. Ich kenne die
Theorien der rechten Szene praktisch nicht, ich habe mich nie tiefgreifend damit befasst.
Ich bin aber sicher, es finden sich wie in jeder Lehre Gedanken darin, die erst wenn sie
pervertiert werden, menschenverachtend sind.
Man kann die linke und die rechte Szene auch nett am Beispiel der katholischen Kirche zusammen
spinnen. Da wird munter parallel links und rechts fraternisiert, solange der Eigengewinn
der Kirche noch funktioniert.
In dem Zeitbereich, wo die eine Szene sich als die Gute - und die andere als die Schlechte
auf dieser Erde ansieht, beginnt der Moment, an dem sie sich gleichen.

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Mi 30 Nov, 2011 18:15 
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Nationalsozialismus ist schon per se pervers. Und ein Widerspruch in sich selbst. Weil soziales Wirken immer andere mit einbezieht, während nationales Denken immer zur Folge hat, andere auszuschließen. (Dazu passt das Schopenhauer Zitat: "Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Aber jeder erbärmlicher Tropf, der nichts in der Welt hat, auf das er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, um stolz zu sein.")
Insofern hat das von dir genannte Beispiel, auch nichts mit „Links sein“ zu tun. Genauso wenig wie die ganzen ehemaligen und gegenwärtigen, verbrecherischen, sogenannten sozialistischen Regime. Nur weil die sich Links nannten und nennen, heißt das nicht, dass sie es auch waren oder sind.

Links zu sein bedeutet solidarisch zu sein, rechts zu sein – korrupt und unsolidarisch.
Links zu sein bedeutet das Menschenrecht zu erkämpfen, rechts zu sein – es zu bekämpfen.
Links zu sein bedeutet die ausbeuterische und unterdrückerische Obrigkeit zu bekämpfen, rechts zu sein – ihr zu gehorchen.
Links zu sein bedeutet, die Menschen zu lieben, rechts zu sein – den Staat.
Implikationen
Daher bedeutet links zu sein, gegen die Diskriminierung von Minderheiten, gegen Ausländerfeindlichkeit und Faschismus, gegen Ausbeutung und Rechteabbau einzutreten, rechts zu sein das Gegenteil.
Daher bedeutet links zu sein – Privilegien zu bekämpfen, rechts zu sein, sie mit Gewalt durchzusetzen.
Daher bedeutet links zu sein – altruistisch zu sein und das Gemeinwohl zu stärken, rechts zu sein – egoistisch zu sein und es zu bekämpfen.
Daher bedeutet links zu sein, ökologisch zu sein, rechts zu sein, ohne Rücksicht zu konsumieren.
Sekundäre Implikationen
Daher bedeutet links zu sein im Kapitalismus, dass man für seine Überzeugung eingesperrt oder ermordet werden kann.
Daher bedeutet rechts zu sein im Kapitalismus linke Oppositionelle zu bespitzeln, zu verfolgen und Gewerkschafter zu ermorden.
Daher bedeutet links zu sein, im Kapitalismus, die eigene Sicherheit, den Arbeitsplatz, die ökonomische Existenz, die Gesundheit oder sogar das Leben für die eigene Überzeugung aufs Spiel zu setzen.
Da Linke Ausbeutung als Ursache (Sinn) für die Unterdrückung und als Ursache der Ausbeutung das Privateigentum an Produktionsmitteln ausgemacht haben, sind Linke gegen das Privateigentum an Produktionsmitteln und Rechte dafür, dass jeder beliebig viel Eigentum anhäufen kann.
In jedem Lande gibt es ein Spektrum aus verschiedene Mischungen dieser beiden extrem unterschiedlichen Positionen. Vom Links-Rechts-Schema abweichende Positionen können unpolitisch genannt werden. Sie spielen für den gesellschaftlichen Fortschritt keine Rolle.
Extrem rechte Positionen sind logischer Weise menschenverachtend und gemeingefährlich. Sie behindern den Fortschritt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Do 01 Dez, 2011 02:08 
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Hallo Silberbrigg,

mir persönlich weichen Deine Äußerungen zu sehr vom Bezug zur Kunst ab. Auch finde ich Dein Weltbild (links gut, rechts böse) etwas zu plakativ. Und nein, ich bin kein Freund der politisch Rechten. Die Frage ist auch, ab wann ist man links und ab wann rechts? Ich habe genug selbsternannte Linke kennengelernt, die neben typisch linken Einstellungen auch menschenverachtende Standpunkte vertraten... :roll:

Zitat:
Daher bedeutet links zu sein, im Kapitalismus, die eigene Sicherheit, den Arbeitsplatz, die ökonomische Existenz, die Gesundheit oder sogar das Leben für die eigene Überzeugung aufs Spiel zu setzen.


Renn mal mit NPD-Button und rechten hohlen Phrasen durch die Straßen. Wenn Du nicht gerade in irgend einem reaktionären Kuhdorf wohnst, garantiere Dir: Du verlierst Deinen Arbeitsplatz, Deine ökonomische Existenz und Deine Gesundheit.


Liebe Grüße

Tobias

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Seit Juni 2011 neuer Betreiber des Kunstclubs. Ich helfe euch bei Fragen gerne weiter.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Do 01 Dez, 2011 12:18 
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Dein Beitrag oben hat gar nichts mit links zu tun.
Das ist reine Religion.
Eine Mischung von Unser Vater, (im Matthäus-Evangelium und im Lukas-Evangelium
erwähnt, nicht genau identisch, das Gebet ist in seiner Form altjüdisch),
der 10 Geboten von Mose und einem Glaubenbekenntnis. Sogar der Teufel, das
Böse ist permanent als Drohung vorhanden, wie es jeder nahöstlichen Religion -
und damit den mitteleuropäischen nahesteht.

Dein Beitrag ist quasi der Beweis meiner Kreistheorie.

Was man aber wissen muss.
Es gibt keine Macht auf dieser Erde, die so viel für die Kunst getan hat wie die Kirchen.

Heiner

PS: Ich bin nicht religiös, sondern respektiere, auf welchen Historien sich meine
Welt zwangsweise zusammen bastelt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Sa 03 Dez, 2011 00:19 
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@ tobias

Klar ich kenne auch Leute die sich links nennen und stalinistische Positionen vertreten. Für mich sind das allerdings keine Linken, sondern eben Stalinisten, oder was auch immer.
Und Leute die faschistische Meinungen vertreten, begehen ein Verbrechen. Da ist es ok wenn sie Nachteile erfahren.
Stimmt ich bin etwas ab gekommen vom Thema Kunst. Aber Künstler zu sein, bedeutet für mich auch mit beiden Beinen im Leben zu stehen!

@heiner

Du kannst meinen Beitrag nennen wie du willst, aber
Religion ist oft reaktionär, und insofern genau das Gegenteil von dem was ich geschrieben habe.

Die Linke muss sich immer wieder fragen, welche Versuche in der Kunst gab und gibt es, gesellschaftliche Befreiung vorzubereiten? Welche Formen der Einmischungen sind mittels Kunst möglich?

Und was deinen Kreis anbelangt, so halte ich es mit Friedrich Schiller:

„Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken“.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst und Politik
BeitragVerfasst: Sa 03 Dez, 2011 09:27 
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Silberbrigg hat geschrieben:
@ tobias
Die Linke muss sich immer wieder fragen, welche Versuche in der Kunst gab und gibt es, gesellschaftliche Befreiung vorzubereiten? Welche Formen der Einmischungen sind mittels
Kunst möglich?

Und was deinen Kreis anbelangt, so halte ich es mit Friedrich Schiller:

„Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken“.


Hallo Silberbrigg

ich denke es kommt die Zeit, wo Du dich mit den theoretischen Grundlagen der Linken
auseinandersetzen musst. Marx, Engels, Trotzki, aber auch Alice Schwarzer, Friedrich
Dürrenmatt, Friedrich Nietsche, Heinrich Böll und zum Abschluss vielleicht ein Buch
eines der Befreiungstheologen, Oscar Romero, El Salvador. Von ihm sind einige
Bücher übersetzt, ob noch erhältlich ist unbekannt. Damit bekommst Du ein heilloses Theorie-
gewitter. Und auch etwas Klarsicht über die Kunst und der Kommunismus.

Oder lies die Berichte der europäischen Landarbeiter, die um der kommunistischen
Revolution zu helfen, nach Nicaragua reisten, um die wirtschaftlichen Grundlagen der
Revolution helfen zu schaffen.

Und zum Zitat von Herrn Schiller:
Ist ja immer gut wenn man das falsche Zitat erwischt.

Ich bin nicht im Kreis mit meiner Theorie, sondern aufgereiht wie eine Perlenkette,
schon gar nicht im Gewühlt eines Kreises - und noch weniger eines engen.
Das Stehen am Kreis ist die einzige Möglichkeit nicht nur gerade aus zu sehen . . .
nach vorne und hinten, sondern immer in die Weite und ins Zentrum. Das ist ein Vorteil.

1976 im August wurde ich auf der Bahnfahrt von Bukarest nach Pitesti im Zug
von der Polizei verhaftet. Wir waren auf der Reise nach Siebenbürgen.
Wir wurden einigermassen gut behandelt, als die Polizei merkte, dass wir
keine Waffen dabei hatten und kriegten einen lokalen Deutschlehrer als Übersetzer.
Der erzählte uns in einer Vernehmungspause, dass jedes System vom Bürger seinen
Tribut fordere. "Es gibt kein System, wo der Staat nicht um seine Vorherrschaft kämpft,
und alle Beamten der Meinung sind, ihre Arbeit sei der Zukunft dieses Staates gewidmet.
Dabei spiele es keine Rolle, ob es ein System der Demokratie nach Schweizer Muster oder
ein totalitäres System wie jenes von Hitler sei."
Diese Gespräche mit dem feinen väterlich wirkenden Übersetzer habe ich nie vergessen.
In den Stunden in Polizeigewahrsam, was nicht so witzig ist in einem Land wo man die
lokale Sprache gar nicht spricht, war er eine Art Intellektueller, der ohne Pathos seine
Sicht seines Kommunismus vertrat - aber immer darauf hinweisend - dass auch sein System
nicht vollkommen ist, weil es nicht vollkommen sein kann.
Ich bin nie in Siebenbürgen gewesen - wir wurden in den Zug nach Bukarest gesetzt
und durften diese Stadt nicht verlassen, bis der Rückflug nach Zürich losging.

Heiner

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